Ermittlungsverfahren gegen Herrlich, viel Lob für Jungspunde
Zakaria: »Er hat ein bisschen Comedy gemacht«
21.12.2017 11:52 Uhr
Zakaria hatte nicht nur einen Zweikampf mit Jonathan Tah, sondern auch mit Heiko Herrlich. Foto: Dirk Päffgen
Geschrieben von Hannah Gobrecht und Alexander Plum
21.12.2017 11:52 Uhr

Die Nordkurve honorierte die gestrige Leistung nach Abpfiff mit aufmunterndem Applaus und verabschiedete ihre Mannschaft mit „Die Seele brennt“ in die fußballfreie Zeit. Zuvor gab es ein attraktives und vor allem intensives Fußballspiel, in dem die Elf von Dieter Hecking alle Chancen hatte, das Spiel für sich zu entscheiden. Die Szene des Abends spielte sich am Spielfeldrand ab, die für Heiko Herrlich nicht ganz ohne Folgen bleiben könnte.

Mit dem ersten Satz hatte Dieter Hecking eigentlich schon alles gesagt: »Aus meiner Sicht ist die klar bessere Mannschaft heute ausgeschieden«, stellte er nach einem rassigen und packenden Duell mit Bayer 04 Leverkusen fest. 23:10 Torschüsse waren es am Ende für die Borussia, die allerdings keinen dieser Versuche im Tor unterbringen konnte.

Bailey vs. Hazard

Denn den Unterschied machte gestern der Leverkusener Bailey, der in der 70. Minute nach einem Ballverlust alleine auf Yann Sommer lief und vor dem Tor eiskalt blieb. Eine ähnliche Szene gab es in der 51. Minute auf der Gegenseite, als Thorgan Hazard ebenfalls alleine vor dem gegnerischen Tor auftauchte und leider, wie so oft im alleinigen Duell mit dem Keeper, an Bernd Leno scheiterte. »Jetzt muss er (Hazard, Anm. der Red.) den nächsten Schritt gehen. Dass er aus den klaren Tormöglichkeiten dann eben auch diese Abgezocktheit hat wie Bailey. Der hat jetzt dreimal diese Situation innerhalb von drei Tagen gehabt und macht drei Tore. Ich glaube, Toto hat auch schon vier oder fünf dieser Situationen gehabt«, so Hecking auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. »Irgendwann weiß er, dass er den Ball vielleicht flach schieben muss. Das ist eben dann der Unterschied, der dann in diesem engen Spiel leider auch zum Tragen kommt.«

Viel Lob für Jungspunde

Außer diesem Konter lies Borussia vor allem in der zweiten Hälfte nicht viel zu. Die Doppelsechs um Denis Zakaria und Reece Oxford ackerte unermüdlich, eroberte viele Bälle, gewann wichtige Zweikämpfe und fand etwas weiter vorne in Mickael Cuisance einen spielfreudigen Anspielpartner, der die Bälle clever verteilte und seine Gegenspieler immer wieder anlief. Dafür gab es ein Sonderlob von Dieter Heking: »Was die drei da heute im inneren Mittelfeld gespielt haben, war sehr, sehr gut. Herausheben möchte ich Micka Cuisance, der in einer etwas anderen Rolle gespielt hat. Wie er den Gegner immer zu Fehlern gezwungen hat, war das, wie wir den Weg mit den jungen Spielern weitergehen wollen.«

Oxford mit entscheidendem Fehler

Zwar entstand das Gegentor aus einem Stockfehler und dem damit verbundenen Ballverlust von Reece Oxford, doch einen großen Vorwurf machte ihm Dieter Hecking nicht: »Das ist genau das, was junge Spieler lernen müssen. Dass er wieder ein gutes Spiel gemacht hat, steht außer Frage. Es wird nicht der letzte Fehler in seiner Karriere gewesen sein. Es ist wichtig, dass er das abhakt.« Yann Sommer sah es ähnlich, denn es stand die jüngste Startelf (Durchschnittsalter: 24,27 Jahre) seit 1991 auf dem Platz. »Das ist nicht selbstverständlich, wie die jungen heute gespielt haben. Großes Kompliment.«

Aus der Traum

So stand das Ergebnis am Ende irgendwie exemplarisch für das Fußballjahr 2017, in dem sich Borussia Mönchengladbach das eine oder andere Mal einfach nicht belohnen konnte. Ein Weiterkommen wäre mehr als verdient gewesen, aber das interessiert in einem Pokalwettbewerb niemanden, denn für eine gute Leistung kann man sich leider nichts kaufen. Das musste auch Kapitän Lars Stindl feststellen: »Wir haben viel investiert, viel richtig gemacht. Wenn man sieht, welche tragende Rolle die jungen Spieler wieder in unserem Spiel gehabt haben ist es hart, dass sie für diesen Aufwand und die vielen Dingen, die sie richtig gemacht haben, nicht belohnt wurden.« Der Traum von Berlin ist somit am Mittwochabend geplatzt, auch für Matze Ginter: »Sehr ärgerlich. Gerade auch, weil mit Dortmund oder Bayern wieder ein Hochkaräter ausscheidet. Dann wären es nur noch zwei Spiele bis Berlin gewesen. Es ist halt manchmal so, dass leider die bessere Mannschaft verliert.«

DFB leitet Ermittlungsverfahren ein

Eine Szene sorgte bereits während des Spiels vor allem in den Social-Media-Netzwerken für reichlich Aufregung und Unterhaltung. Der „Fight“ an der Seitenlinie hieß Denis Zakaria gegen Heiko Herrlich, der sich mit einer gewissen Zeitverzögerung einfach zur Seite fallen ließ, als er zuvor den Ball nicht schnell ins Spiel bringen wollte und Zakaria ihn minimal touchierte. »Es ist Fußball. Es waren viele Emotionen. Ich hab ihn nicht viel berührt«, erklärte Zakaria. »Er hat ein bisschen Comedy gemacht«, schmunzelte der Schweizer und drückte sich damit noch sehr besänftigend aus. Am heutigen Mittwoch gab der DFB bekannt, dass er Heiko Herrlich zu einer Stellungnahme aufgefordert hat.

Der DFB erklärte sich dabei wie folgt: »Es besteht der Verdacht, dass sich der Trainer des Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen nach einem Schubser des Gladbacher Spielers Denis Zakaria am Seitenrand fallen gelassen und damit unsportlich verhalten hat.« Weiter heißt es in der Mitteilung: »Der Kontrollausschuss hat Herrlich nunmehr angeschrieben und zu einer Stellungnahme aufgefordert. Nach Vorliegen und Auswertung der Stellungnahme wird der Kontrollausschuss über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden.«

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